Vom Drang, den Partner verändern zu wollen

In vielen Beziehungen ist es Alltag, dass versucht wird, den Lebensgefährten zu verändern. Natürlich gegen dessen Willen. Gerade Frauen scheinen darin wahre Spezialisten zu sein: Sie nörgeln, keifen, sind zickig oder probieren anderweitig aus, wie sie ihr Gegenüber kleinkriegen können. Im Grunde testen sie ja nur, wieweit wir Männer Widerstand leisten.

Wenn sie dann doch erreicht haben, diesen zu brechen und den Partner verformt, ihn beispielsweise zu Handlungen verdonnert zu haben, die gänzlich unmännlich sind, wird ihnen langweilig. Das Interesse schwindet. Oder schlimmer noch: Es stellt sich Respektlosigkeit ein, weil man das Gegenüber genau für diese Schwäche, nämlich dass er sich verändern ließ, zu verachten beginnt.

Und wenn wir ganz ehrlich sind — und das gilt jetzt nicht nur für die werte Damenwelt — wünschen wir uns doch alle, dass der Partner so bleibt, wie er ist (auch wenn wir uns das manchmal nur schwer eingestehen können). Schließlich haben wir den anderen doch gerade so, in seiner vermeintlich “unvollkommenen Form”, kennen, schätzen und lieben gelernt!

Denken wir diesen Gedanken einmal weiter. Mir ist aufgefallen, dass wir den Anderen nicht einfach nur irgendwie verändern wollen. Nein, wir möchten ihn vielmehr genau zu unserem Ebenbilde formen (eine vielleicht nicht unbewusste verbale Anspielung an den Schöpfungsakt in der Bibel)! Wir gehen davon aus, das sei die ideale Form, ohne dass wir die dahinter steckende Projektion selbst bemerkten. Weil wir stets von uns ausgehen, subjektiv durch unsere “Brille” die Welt betrachten und bewerten. Weil uns unser eigenes Verhalten am vertrautesten ist, und uns jedes Anderssein grundsätzlich erst mal irritiert, wenn nicht gar Angst einflößt.

Wir wollen also z. B., dass der Andere nicht mehr so hart und egoistisch handelt, sondern endlich mal weich und einfühlsam vorgeht. Wenn wir jedoch genauer hinschauen, werden wir bemerken, dass wir selbst ein einfühlsamer Mensch sind. Das Verhalten des Anderen stört uns genau deshalb zwar (vordergründig), es fasziniert uns aber auch auf andere Weise. Womöglich wohnt ihm sogar ein persönliches Wachstumspotenzial inne: nämlich dass wir selbst an der ein oder anderen Stelle mehr unseren eigenen Bedürfnissen nachgehen sollten, als uns ständig nur im Mitfühlen bei Anderen zu verlieren …

Erzwingen wir stattdessen wie eingangs beschrieben die Anpassung des Partners an uns (und er umgekehrt die Anpassung an ihn), bedeutet dies nichts anderes als Gleichmachung und letztere wiederum Verlust an Gefälle. Und wo kein Gefälle ist, kann nichts fließen. Und wo kein Fließen, da kein Kribbeln. Tröpfchen für Tröpfchen verflüchtigt sich der Zauber. Und damit die Leidenschaft …

Man erkennt dies z. B. sehr offensichtlich im Café bei schweigend nebeneinander sitzenden Eheleuten, die 30, 40 oder noch mehr Jahre miteinander verheiratet sind und sich nicht nur optisch, auch charakterlich so weit nivelliert haben, dass keine Anziehung mehr zu spüren ist – und auch die Kommunikation aufs Allernötigste zusammengeschrumpft ist.

Kein erstrebenswertes Szenario, zumindest nicht für mich.




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Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 15. Juli 2009 um 02:50 erstellt und in der Kategorie Erkenntnisse, Frau, Sinnlichkeit abgelegt. Kommentare auf diesen Artikel können mit dem RSS 2.0-Feed verfolgt werden. Es besteht die Möglichkeit, auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.

1 Kommentar für “Vom Drang, den Partner verändern zu wollen”

  1. Romy sagt:

    Das ist echt gut, der Artikel… Find ich auch nicht erstrebenswert…

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