Die Welt: Zu viel Offenheit schadet der Liebe

“Nichts scheint so schwer zu sein wie das Leben zu zweit: Jede dritte Ehe endet vor dem Scheidungsrichter. Forscher versuchen das Phänomen seit Jahren zu erklären. Ihr Rat: Der Partner sollte nicht alles wissen. Freizügige Geständnisse sexueller Fantasien lösen möglicherweise Panik aus.” Den ganzen Beitrag lesen Sie hier.

Freizügige sexuelle Geständnisse sollen Panik auslösen? Hm. Ist es nicht viel eher so, dass es sich ohnehin deutlich bemerkbar macht – für beide Partner wohlgemerkt –, wenn man im Bett nicht wirklich zusammenpasst? Wenn sich keine tiefe Lust einstellt?

Grundsätzlich zum Titel dieses Beitrags: Nicht nur der verursacht bei mir Kopfschütteln, auch die Bildunterschrift, die lautet: “Beziehungskiller: Wenn Ehrlichkeit die Liebe tötet.” Was versteht jener Welt-Redakteur eigentlich unter Liebe, auf dass Ehrlichkeit und Offenheit ihr schaden sollen? Dass sie hingegen der Leidenschaft (im Sinne des sinnlichen Prickelns) Abbruch tun, das wiederum ist (fast) unvermeidlich. Warum? Weil man sich durch Offenheit und Ehrlichkeit besser kennenlernt, Verständnis füreinander aufbringt, zu Freunden wird. Man gleicht sich an, und damit schwindet die sexuelle Anziehung.

An anderer Stelle im Artikel heißt es, dass in glücklichen Partnerschaften meistens nicht das absolute Vertrauen herrsche, sondern immer eine Spur von Unsicherheit bleibe. Auch diesen Rückschluss halte ich für oberflächlich. Auf einem unsicheren Grund kann keine langfristig gesunde Beziehung erwachsen, weil die vorhandene Angst, welche aus der Unsicherheit resultiert, das Beziehungsfundament aushöhlt. Geheimnisse zu haben, dem anderen etwas vorzuenthalten, künstlich Distanz zu schaffen, nur damit die Erotik bleibt, ist in meinen Augen kein konstruktiver Weg. Der Preis dafür ist sehr hoch. Viel besser ist es, sich immer wieder neu zu erfinden – auf gewisse Weise unberechenbar zu bleiben. Das erhält die Dynamik, ist auf Wachstum ausgelegt und lässt einen über lange Zeit interessant erscheinen.

Ein paar Zeilen weiter steht dann: “Der Grund: Wer sich der Loyalität und Zuneigung des Partners allzu sicher ist, betrachtet den anderen bald als Selbstverständlichkeit.” In der Tat ist das eine Fallgrube, die gefährlichste vielleicht in Beziehungen. Sie liegt in Routinen und Gewohnheiten begründet (und nicht in Loyalität und Zuneigung!), die uns überall im Leben begegnen, nicht nur in Beziehungen. Darüber werde ich zu anderer Zeit ausführlicher schreiben.



Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 17. März 2010 um 23:53 erstellt und in der Kategorie Erkenntnisse, Erotik, Meldungen kurz kommentiert, Psychologie und Liebe, Sex abgelegt. Kommentare auf diesen Artikel können mit dem RSS 2.0-Feed verfolgt werden. Es besteht die Möglichkeit, auf diesen Artikel zu antworten oder einen Trackback von der eigenen Seite zu senden.

1 Kommentar für “Die Welt: Zu viel Offenheit schadet der Liebe”

  1. gin sagt:

    Sie liegt in Routinen und Gewohnheiten begründet

    und selbst hier muss ich auch widersprechen! Es gibt Menschen, die sich wirklich ungelogen JEDEN Tag aufs neue, richtig auf ihr Bett freuen. Nicht der Schlaf AN SICH, sondern das Bett. Jeden Tag voller vorfreude hüpft man, ob zu zweit oder alleine, glücklich in seine Errungenschaft. Wenn man sich DESSEN einfach BEWUSST IST, immer wieder aufs neue und DANKBAR dafür, dann wird sich niemals die sog. “Routine” einstellen, oder wie ich es nenne die “ist-ja-sowieso-alles-normal-einstellung”.

    einfach jeden tag aufs neue bewusst machen, sich klar werden was man hat und glaubt mir, man wird nie mehr über etwas jammern…oder noch besser…schaut euch GANZ INTENSIV dokus über länder in armutszuständen an, und spätestens DANN SOLLTE WIEDER DAS BEWUSSTSEIN eintreten.

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